Schloss Favorite in Rastatt-Förch

Schloss Favorite in Rastatt-Förch ist das älteste deutsche „Porzellanschloss“. Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden hatte klare Vorstellungen, wie dieses barocke Gesamtkunstwerk mit reicher dekorativer Innenausstattung auszusehen hatte. Denn hier zeigte sie ihre berühmten Porzellan-, Glas-, und Fayencesammlungen.

Heute können Besucherinnen und Besucher das Schloss und seinen Schlossgarten genießen und in die Welt der Markgräfin eintreten: Prächtige Räume und kostbare Sammlerstücke – ein Rausch von Farben und Formen – vermitteln einen lebhaften Eindruck von der fürstlichen Wohnkultur und der Asienbegeisterung im frühen 18. Jahrhundert.

Die Eremitage

Etwas abseits im Garten liegt die Eremitage (französisch: "Einsiedelei"). Sie diente der Markgräfin als geistlicher Rückzugsort. Dieses architektonische Kleinod wurde 1717 bis 1718 vom Rastatter Hofarchitekt Michael Ludwig Rohrer, ebenso Baumeister der Favorite, als achteckiger Zentralbau gestaltet. Form und Einrichtung gehen vermutlich auf die Markgräfin selbst zurück, die bei ihren Bauvorhaben immer wesentlich beteiligt war.

"Ein niedriges, im Schatten, in einem Busche oder Garten gelegenes Lustgebäude, mit rauen Steinen, schlechtem Holzwerk, Moos oder Baumrinden inwendig bekleidet und gleichsam wie wild zugerichtet, dass man darinnen der Einsamkeit pflegen oder frische Luft schöpfen möge": Diese zeitgenössische Definition von 1734 trifft auf die Favoriter Eremitage zu, die zu den wenigen erhaltenen Beispielen dieser Art gehört.
In der Mitte der Eremitage liegt die Andachtskapelle der heiligen Magdalena mit einem hohen Glockenturm. Um diese gruppieren sich fünf Raumsegmente, die Wohnzwecken dienten. Der mystische und etwas schauerliche Charakter der Kapelle wird vor allem durch die Wachsfiguren der Heiligen Familie hervorgerufen, die in ihren Zügen der Markgräfin ähneln.